Das Probenwochenende und der Luxus des Schlafes – aber nur für Pärchen!

Momentan ist es hier sehr still. Einiges an Beiträgen liegt in der Pipeline, aber ich habe leider keine Zeit dafür, da im echten Leben etwas mit sehr viel höherer Priorität getan werden will. Da das Beiträge schreiben aber meist auch einen “Kopf aufräumenden Effekt” hat, ist es mir heute den Zeitaufwand wert. Bei besagtem anderen Etwas mit sehr hoher Priorität kann ich gerade nicht weiter machen, da ich u.a. unten gesammeltes im Kopf habe :/

Was war passiert?
(Kurzversion: TLDR)

Freitag abends gehe ich seit einer Weile zu einer Probe, 20-22 Uhr. Eine gute Zeit für mich – wenn ich vorher Mittag gegessen habe – was meist dank externer Hilfe klappt (Thx 😉 ). Es macht viel Spaß und lässt einen den Alltag kurze Zeit auf die Seite schieben. Kurz: Etwas zu dem ich sehr gern gehe.

Ende April steht dort ein Probenwochenende an. So etwas kenne ich von einer anderen Freizeitbeschäftigung. Durch meinen Schlaf bringt so etwas gewissen Hürden mit sich. Vorher die Organisatoren anzusprechen und zu erklären was los ist, hat das “Problem” immer restlos im Keim erstickt. Es war nie ein Problem. Es wurden ein paar Sachen vorher geregelt, das war es auch schon. Ob ich dann vor Ort zum Frühstück aufgetaucht bin oder erst später – das war eben einfach so. Keine blöden Kommentare. Kein: “Aber warum bekommt die das Lehrerzimmer?” Nichts.

Es wurde schlicht nicht zu einem Problem GEMACHT!

Bei der Planung für das kommende Probenwochenende ging ich davon aus, dass ich das genauso angehe und es ähnlich gut klappen würde.

C kümmert sich ein wenig um die neuen Mitspieler. Von ihr wusste ich, dass K sich um die Zimmer und Bettenverteilung auf dem Probenwochenende in einem Schullandheim kümmert. Also sprach ich sie vergangene Woche an. Ich wollte wissen, was es für Zimmer gibt und wie die verteilt werden. Zuvor hatte ich eine andere Mitspielerin angesprochen, ob sie ein Zimmer mit mir teilen würde, da sie grob weiß worum es geht. Sie hatte bejaht. Mein Versuch K darauf anzusprechen und zu bitten, eines der kleineren Zimmer, also Doppelzimmer in dem Fall, auf der Seite bereit zu halten. Ich kam gar nicht so weit. Drei mal setzte ich an und kam jedes mal nicht einmal bis zu einer Erklärung. Nichteinmal so weit zu sagen warum ich sie überhaupt danach frage. Drei mal kam sofort eine ziemlich barsche Abwehrhaltung: “Es gibt keine Zimmerreservierungen, kurz vorher gibt es ein Doodle über das eingetragen wird” “Zimmer werden nicht vorher reserviert” und so weiter..
Eine normale Konversation war gar nicht möglich. Ich bin von dannen gezogen und habe das unter “Keine Ahnung was ich ihr getan habe, vermutlich hat sie einfach einen schlechten Tag oder ist es gewohnt das jeder Extrawürste haben möchte wenn es um die Zimmer geht.” einsortiert. Ich war allerdings doch reichlich entsetzt über die Reaktion. Ich kam wirklich nicht einmal bis zu einer Erklärung, warum ich sie das überhaupt frage und was meine Intention ist.

Später an dem Abend fragte mich C noch wie es gelaufen wäre. Ich antwortete ihr, dass ich nicht einmal bis  zu einer Erklärung gekommen war. Sie war erstaunt. Ich bat sie, falls sie K vielleicht noch einmal über den Weg läuft, sie vielleicht doch noch einmal darauf anzusprechen. Eigentlich nicht meine Art, ich kläre so etwas gern selber aber dank der Sache die gerade höchste Priorität hat, bleiben da nicht mehr so viele Nerven und Energie für Dinge wie diese übrig.

Eine Woche später.

In der Probe gestern kam C wieder zu mir und meinte, sie hätte seither keine Möglichkeit mehr gehabt, mit K darüber zu sprechen, aber wir können das heute gern gemeinsam tun. Das war kurz bevor es los ging und ich meinte, das wäre vermutlich dann in der Pause geschickter als sofort.

In der Pause kam K direkt auf mich zu “Warst du derjenige, der mich wegen Zimmerverteilung auf dem Probenwochenende angesprochen hat?” In der Tat das war ich. Es kam gleich wieder ein “Zimmerverteilung nur per doodle” aus der Kanone geschossen. Ich fragte sie, wie das denn aussehe, bei einer neurologischen Schlafstörung?
Mir wurde erklärt, dass es keine Zimmer gibt die man vorher aus der Auswahl heraus nimmt. Soso. Das Zimmer des Probenleiters taucht natürlich auch nicht auf in der Auswahl.
Ich erklärte ihr weiterhin was das bei mir verursacht, ganz besonders wenn ich nicht den Schlaf habe den ich brauche. So Dinge wie Einschlafattacken, aus dem Stuhl rutschen vor Müdigkeit, erst gegen Mittag überhaupt auftauchen usw.
Sie fragte bei nichts nach, es interessierte sie schlicht nicht.

Ich könne ja sonst von daheim pendeln.
Nein kann ich eben gerade nicht!

Ich könne ja auch – wie das manche andere machen – mir ein Hotelzimmer nehmen.
Nein kann ich nicht. Morgens fahren ist keine Option. Zudem weiß ich nicht einmal, ob ich zu der Zeit Geld dafür habe.

Es sind auch generell vielleicht zu knappe Zimmer.
Aha. Und daran ändert sich etwas, wenn jemand anderes ein Doppelzimmer bewohnt?

Und überhaupt viele sind hier ja auch älter, die schlafen dann ja vielleicht auch lauter usw!
Ja EBEN!

Mir wurde dann noch erklärt, dass die Doppelzimmer ja für die Pärchen reserviert wären (es gibt sie also!) oder eben nur für die Pärchen wären.
Aha, Pärchen in einem Zimmer zusammen ist wichtiger? Und geht – eventuell sogar mit vorher “reservieren”? Ernsthaft?

Ich saß da und schaute sie schweigend einfach nur an. Mit so einer Konversation hatte ich wirklich nicht gerechnet. Das Schweigen hatte bei ihr den Effekt, dass sie sich weiter versuchte zu rechtfertigen und danach einen Themenwechsel versuchte in der Richtung was ich denn studiere (das fiel mir leider auch erst danach auf).
Unglücklicherweise kam ich nicht mehr auf die Idee, ihr ein Äquivalent zur Erklärung zu präsentieren: Wenn ein Rollifahrer dabei wäre und es gäbe nur ein barrierefreies Zimmer für ihn, ob er das dann auch nicht bekommen würde, weil es ein Doppelzimmer ist welches  ja für Pärchen reserviert ist?

Leider sind mir die meisten der Antworten natürlich erst danach eingefallen, denn mit so unglaublich viel Ignoranz und Behindertenfeindlichkeit habe ich nicht gerechnet. Ich war davon ausgegangen, das klärt sich in einem zweiten Gespräch. Ich hätte wohl nicht falscher liegen können.

C lief mir beim einpacken meiner Ausrüstung über den Weg und fragte wie es gelaufen wäre. Ich antwortete ihr, dass es sogar noch übler gewesen wäre als das letzte Mal. Damit hatte wohl auch sie nicht gerechnet.

Als ich gegangen bin sah ich sie noch mit K reden. Ob es da noch Fortschritte gab weiß ich nicht. Ich wollte dort nicht länger bleiben.

Fazit?

Manchmal sitzen dort die ignorantesten Menschen, wo man sie am wenigsten erwartet. Bisher erschien mir die Gruppe inklusiv. Es gibt Teilnehmer mit sichtbarer (!) Behinderung sowie nicht dem “üblichen” Rollenbild entsprechende. Für den Teilnehmer mit Lernbehinderung hat sich auch etwas passendes gefunden, um mitzumachen.  Eine Sehbehinderung stört ohnehin kaum in dem Zusammenhang und wer was für physische Merkmale in der Unterhose trägt oder wen gern mag ist einfach nur irrelevant.

Was das Problem von K ist, weiß ich nicht. Mal sehen ob ich es noch heraus finde. Vielleicht ist es auch nur das Übliche von Nachteilsausgleich  mit einem Vorteil verwechseln – wie viel zu häufig. Eine möglichst ruhige und lange Nachtruhe für mich ist kein “Vorteil” sondern eine Notwendigkeit. Es gelang mir offensichtlich nicht, das ausreichend zu vermitteln.

Ich werde wohl erst einmal die nächste Probe abwarten ob sich daran noch etwas ändert,  z.B. weil C das noch einmal in die Hand genommen hat. Wenn sich daran nichts ändern sollte, selbst in dem Fall, dass ich deshalb mit den Vorständen rede, werde ich definitiv nicht zum Probenwochenende gehen (können!) und mir auch sonst überlegen, ob das ein Ort ist an dem ich meine Freizeit weiter verbringen möchte, wenn man sich mir gegenüber so verhält.

Schlimm genug, dass es mich heute leider doch noch meine Laune gekostet hat und meine Konzentration, um an anderen sehr dringenden Dingen weiter zu arbeiten, erst einmal weg ist. Ich fühle mich davon verletzt und diskriminiert. Leider fällt es mir schwer, das einfach auf die Seite zu schieben und an weiteren Dingen weiter zu machen. Vielleicht gelingt mir das wenn ich diesen Beitrag fertig habe.


 

TLDR:

Probenwochenende steht an und ich brauche dafür ein ruhiges kleines Schlafzimmer vor Ort. Bei einer anderen Freizeitbeschäftigung hat das immer ohne Probleme geklappt, diese war auch in einem Schullandheim. Die Person, welche die Zimmer verteilt, hat auf  meine Bitte, ein Zimmer zu reservieren sehr abweisend reagiert. Sie will kein Doppelzimmer aus der doodle Umfrage für alle heraus nehmen, trotz mehrfacher Erklärung meinerseits, dass das nichts mit Luxus zu tun hat, sondern eine Notwendigkeit aufgrund meines Schlafes ist. Als Argumente führt sie u.a. an, dass die Doppelzimmer ja bevorzugt für die Pärchen sind und überhaupt, ich könne ja von daheim pendeln, oder mir ein Hotelzimmer in der Nähe nehmen. Eine ruhige(re) Nacht gibt es also nur für Pärchen auf einem Probenwochenende, nicht aber für Menschen mit einer Behinderung.

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