Ein barrierefreier Gerichtstermin – Nicht

Seit nunmehr drei Jahren wehre ich mich dagegen, dass nicht die Tabelle des Versorgungsamt festlegt was eine Behinderung ist und was nicht. Mittlerweile gab es tatsächlich den ersten angesetzten Verhandlungstermin. An diesem Tag konnte mein Anwalt nicht, also musste ein neuer Termin gefunden werden.

Um die Wahrscheinlichkeit hoch zu halten, dass dieser Termin auch möglich ist, notierte er in der Absage auch gleich, an welchem Nachmittag er nicht verfügbar ist. Auf meinen Hinweis fügte er noch etwas weiteres hinzu “Aufgrund der Erkrankung der Klägerin bitte nicht vor 14 Uhr”.

Ich erwarte von einem Sozialgericht, dass die Örtlichkeiten und Termine barrierefrei bzw. so barrierearm wie möglich sind.

“Barrierefrei” hat nicht zwingend etwas mit einer Treppe oder einem Aufzug zu tun, in meinem Fall ist das eine Tageszeit zu der ich wach und ansprechbar bin. Das ist meist der Nachmittag oder auch die ganze Nacht, aber eben nicht der Vormittag, bzw. das was ca. 99,999% der Menschen als Vormittag definieren. “Normalschläfern” tut es nicht weh, wenn sie einen Termin am Nachmittag haben anstatt am Vormittag. Ihnen entsteht daraus kein Nachteil.

Mir schon.

Der Termin ist wegen mir.

Es geht um mich.

Ich wäre gern dabei – und zwar wach.

Es vergingen wieder einige Wochen. Dieses Mal bekam ich keinen schicken Brief mit Eingangsbestätigung sondern nur eine E-Mail von meinem Anwalt:

Das Sozialgericht hat einen neuen Termin bestimmt auf X-tag, xx.06.15, 11 Uhr, Theodor-Heuss-Str. Y, 4. Stock, Saal Z.

Es ist Ihnen freigestellt, ob Sie zum Termin erscheinen. Bitte geben Sie mir kurz Bescheid, wie Sie es handhaben wollen.

Ich rief meinen Anwalt an, wie das denn sein könne.

“Man hat Glück wenn die das überhaupt lesen”. – Aha.

Termin nochmal verschieben lassen? – “Dann haben Sie jetzt schon verloren.” – Aha.

Das Sozialgericht ist also so sozial organisiert, dass man nicht mal seinen eigenen Gerichtstermin barrierefrei bekommt und es ist ja mein “Luxus” wenn ich da sein möchte, denn ich muss ja nicht, ich bin ja nicht notwendig. Ich bin ja nicht der Sachlage dienlich. Was also soll ich da?!

Ob das Sozialgericht eine Rollifahrerin auch in einen Saal mit Stufen am Eingang steckt? Sie könne sich ja hinauf tragen lassen, aber sie müsse ja nicht da sein? Ihr Pech wenn sie gerne selbst rein rollen möchte – ohne Fremde Hilfe.

Vermutlich werde ich da sein.
Vermutlich mit so viel Adrenalin, dass ich erst einmal nicht groß müde erscheinen werde – von aussen.
Vermutlich wird mein Hirn und meine Aufmerksamkeit noch nicht im Wachmodus sein.
Vermutlich werde ich frieren vom Schlafmangel.
Vermutlich wird meine Haut und meine Augen brennen vom Schlafmangel.
Vermutlich muss ich mich zurückhalten, meiner Wut über den Umgang nicht lauthals Luft zu machen.
Vermutlich werde ich (leider?) keine Einschlafattacke haben.

Vermutlich ist das auch nur wieder mal nur eine von vielen Formen Ableism, die mir noch so häufig begegnen wird.

Der Ort ist jedenfalls bezeichnend.

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Filed under Ableism, Allgemein, DSPS, Hypersomnie, Hypersomnie / DSPS, Rant

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