Nachtrag zur Kurve (1)

Vorgeschichte hier.

Tante U. war noch einmal hier. Ganz “zufällig” hat sie in die fast immer auf dem Flur auf einem Wagen herumliegenden Kurven mal in die entsprechende von Opa geschaut. Alle Leute die sich für Datenschutz interessieren dürfen an dieser Stelle einmal kurz kotzen. Nur kurz, denn sonst kommt man beim Thema Datenschutz in einer Klinik nicht mehr aus dem Kotzen heraus. Ja, die persönlichen medizinischen Daten liegen da fast immer mehr oder auch minder beaufsichtigt auf dem Flur herum, wo jeder der vorbei läuft einfach rein schauen kann.

Im Fall von meiner Tante war am hinein schauen letzlich nicht schlimmes oder gar verbotenes, denn aufgrund ihrer Vorsorgevollmacht darf sie das ohnehin. Da leider viel zu wenige Leute von dieser Möglichkeit wissen und Gebrauch davon machen schrillen natürlich immer die Alarmglocken, wenn es doch mal jemand tut.

Sie sagte mir danach, dass als Bedarfsmedikament Lorazepam in der Akte steht und das wohl schon länger. Für Ärzte und andere die keine Wirkstoffnamen sondern nur Handelsnamen beherrschen, auch bekannt unter “Tavor”. Sie konnte leider auf die Schnelle nicht sehen wie oft er das bereits verabreicht bekommen hatte.

Als er hierher kam hatte er das Medikament sicher nicht. In aller Regel muss bei einer Medikamentenänderung ein Patient auch zustimmen. Dazu müsste man den Patienten fragen oder eben eine entsprechend beauftragte Person. Mir ist nicht bekannt, dass Opa dazu befragt wurde. Ich wurde auf jeden Fall nicht darauf angesprochen. Bleibt noch die Klinik selbst und Tante H.

Mit anderen Worten: Die haben ihm ein recht übles Beruhigungsmittel einfach mal so auf Bedarf aufgeschrieben, um es ihm  – wann immer sie wollen – geben zu können. Bisher weiß ich nicht wie oft er es hatte und aus welchem Grund genau. Sicher ist, dass er es bereits bekommen hat. Ich hege doch arge Zweifel, dass es bei ihm eine Berechtigung hat. Es ließt sich für mich wie ein ruhig stellen, damit er nicht nachts klingelt oder anderweitig “wild” ist während der 12h, die hier die Leute einfach in das Bett gepackt werden.

Von meiner Tante U., die ehemals in der Pflege gearbeitet hat, weiß ich, dass es nicht so unüblich ist unbequemen Patienten die gerade nachts Arbeit machen die ein oder andere Schlaftablette unter zu schieben. Die dann selbstverständlich nicht in der Kurve auftaucht.
Aus einer meiner Erfahrungen kann ich sagen, dass es extremst einfach ist an ordentliche Dosen Schlafmittel zu kommen, während man im Krankenhaus ist.

Falls jemand vermutet, man könne Lorazepam einer Person nicht gegen ihren Willen ohne Einstichsloch geben: Doch kann man, es gibt den Wirkstoff auch als eine Art Plättchen, was man unter die Zunge legt und was sich nur dort auflösen muss.

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