Die Kurve

Meinte Tante ist ehemalige Krankenschwester. Durch diesen Umstand habe ich auch erfahren, dass JEDER in seine eigene Kurve etwas rein schreiben kann. Dinge wie Z.B. “Medikament XY möchte ich nicht bekommen”. Das haben wir bzw. meine Tante U. auch mittlerweile getan, um Opa vor weiteren Übergriffen speziell in der Nacht mit Magensonden zu bewahren. Darin steht auch, was er alles nicht haben möchte, siehe z.B. “Die neuesten Ideen aus der Pflege”. Ein weiterer Punkt ist, dass alles vor Ort mit ihm und mir zu besprechen ist. Alles. Sowohl Maßnahmen pflegerischer, medizinscher als auch organisatorischer Art.

Auch die Verlängerung einer Reha fällt in diese Kategorien. In der Visite hatten wir gefragt, bis wann wir wissen müssen, ob Opa noch eine Verlängerung möchte oder nicht. Es hieß bis eine Woche vor geplantem Entlassdatum, also der Tag nach der Visite.

Ich habe mit Opa mehrmals darüber geredet und ihm verschiedene Varianten erklärt, z.B. keine Verlängerung, eine Woche Verlängerung mit zu Ostern zu Hause sein, oder zwei Wochen Verlängerung, was bedeuten würde die Osterfeiertage hier fest zu sitzen.

Er möchte eigentlich nach Hause, hat sich aber für die eine Woche Variante entschieden.

Ich bin also mit Opa im Rolli zum Stationszimmer, damit er selbst sagen kann was er möchte. Eine Schwester war da und der “Arzt”. Ich kann dem Kerl wenig abgewinnen, er ist ernsthaft der Meinung blinde Menschen müssten ja alle einen Betreuer haben, weil sie ja nicht selbst unterschreiben können. (Dazu ist kein weiterer Kommentar mehr nötig oder?)
Jedenfalls stellte sich heraus, dass meine Tante (die “Böse” von beiden), Tante H., wohl am Vortag die Verlängerung um 2 Wochen angestoßen hatte. Sie wusste zu dem Zeitpunkt, dass Opa das entscheidet, nicht sie. Sie behauptet auch nach wie vor überall, sie wäre die Betreuerin von Opa. Das ist schlicht falsch. Sie hat eine Vorsorgevollmacht, keine Betreuung. Wäre sie eine Betreuerin hätte sie einen entsprechenden Ausweis. Hat sie aber nicht. Laut dem Eintrag in der Akte wäre auch die Verlängerung mit Opa und mir abzuklären gewesen. Wir wurden nicht gefragt. Der Arzt redet meist nur über ihn hinweg und nicht mit ihm. Laut Akte hätte sie das nicht machen dürfen und trotzdem hat der Arzt ungefragt den Verlängerungsantrag heraus geschickt. Der Antrag war nicht mehr zu stoppen.

Das sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Das Ergebnis kann aber folgendes sein: Im Entlassbrief kann etwas stehen wie “gegen ärztlichen Rat”. Die Krankenkasse sieht auch, dass die genehmigte Zeit nicht voll ausgenutzt wurde. Tritt also der Fall ein, dass Opa irgendwann noch einmal eine Reha genehmigt benötigen sollte – was als älterer Mensch schon schwer genug ist – dann wird die ihm womöglich verwehrt mit der Begründung, er hätte ja die letzte nicht voll ausgenutzt und es könne ja sein, dass er deshalb jetzt wieder eine benötigen würde, also selbst schuld ist. Wäre das der reguläre Entlasstag gewesen, könnten sie das nicht sagen, egal wie der tatsächliche Entlasszustand ist.

Zusätzlich gibt es oft noch nette Schikanen von der Entlassklinik, denn denen geht ja auch noch potentiell ein zahlendes Bett über die Feiertage verloren. Übliche Dinge sind wohl Sachen wie: Keine fertigen Papiere, kein Transportschein, keine Tabletten bis zum nächsten Werktag (das werden in seinem Fall fünf Nächte sein) usw.

Voraussichtlich kommt die andere Tante, Tante U. kommende Woche zur Visite und stellt da noch ein paar Dinge klar, so dass sie auch in der Akte landen. Mal sehen wie gut das funktioniert.

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Filed under Ableism, Allgemein, Krankheitssystem, Opa in Reha, Rant

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