Nachtrag zum Klingelproblem (2)

Der erste und der zweite Beitrag zu dem Thema.

Am Freitag waren wir genau zwei Wochen hier. Also Vierzehn Tage. Also 14 Nächte. 14 Nächte in dennen sich jemand nicht selbst melden konnte, wenn er Hilfe benötigte. In einem deutschen Krankenhaus.

Als ich an diesem Morgen ins Zimmer kam, lag da doch tatsächlich eine andere Klingel auf dem Nachtkästchen und war nicht angeschlossen. Dieses Mal eine Art rundes Gehäuse mit einem großen roten Knopf in der Mitte etwas eingelassen. Ich war erfreut und zugleich stinkesauer warum das so lange gedauert hat. Auch diese Klingel gibt kein Audio-Feedback wenn sie erfolgreich gedrückt worden ist. Sehr schade.

Leuten die solche Klingeln entwicklen würde ich zu gerne einmal einen Crashkurs zum Thema barrierefreie Klingeln geben. Als “durchdacht” kann man die Modelle jedenfalls nicht wirklich umschreiben. Vor allem fehlt ein Zwischenmodell zwischen drückbar für “Normalos” und “Geht fast bei jeder Berührung los”.

Ich habe mittlerweile einige Male mit Opa geübt, er bekommt die Klingel gedrückt. Mangels Feedback unter Umständen aber auch zwei Mal. Das wäre schlecht, denn das löst einen Alarm aus. Das könnte dazu führen, dass sie ihn dafür anschnauzen und er sich dann wieder nicht mehr traut von der Klingel Gebrauch zu machen, wenn er sie benötigt. Im worst case könnten sie versuchen ihm die Klingel wieder weg zu nehmen.

Leider hängt es gerade nochmal an einem anderen Problem: Er findet die Klingel schlicht oft nicht. Eine Schwester meinte, sie solle immer von oben möglichst nah über ihm herunter baumeln. Ich würde am liebsten noch so eine Art Zeltleine zu jeder Bettseite spannen, an dennen er sich entlang tasten könnte, nur wenn sich sowas löst, könnte das auch zu Unfällen führen. Leider findet er sie nicht immer, wenn er in der Luft mit den Armen herum rudert.

Bleibt abzuwarten wie die Nächte so werden, denn die sind das größte Problem.

Von seinen Zimmerkollegen weiß ich, dass er nachts eher mal schreit, was natürlich niemand vom Pflegepersonal hört. Wenn ich die Beiden anderen richtig verstanden habe, dann haben sie aber auch schon für ihn geklingelt. Das ist zwar keine echte Lösung, aber zumindest eine Symptomminimierung.

Ich würde ihm folgendes am liebsten basteln: Auf jeder Außenseite der Bettbegrenzung eine Fläche, die er treffen und drücken muss, vielleicht sogar mit leicht zu betätigendem aber spürbarem Druckpunkt und Audio-Feedback. Egal ob er auf dem Rücken oder einer Seite liegt: Eine solche Begrenzung ist immer in seiner Reichweite und da der Sensor aussen am Bett wäre, würde er es vermutlich selten aus Versehen auslösen.

Dritter Nachtrag hier.
Vierter Nachtrag hier.

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Filed under Ableism, Allgemein, Krankheitssystem, Opa in Reha

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