Erste Erfahrung ohne eGK in 2015

Gestern hatte ich den ersten Termin ohne eGK im Jahr 2015.

Ich hatte wie üblich probiert, über die TK vorab einen Versicherungsnachweis hinschicken zu lassen. Das ist mir nicht gelungen. Die Praxis ist offenbar der Meinung, eine Faxnummer müsse man ja nicht mehr veröffentlichen.
Ironisch, dass diese Praxis sich als “barrierefrei” verkauft, aber wohl nicht begriffen hat, dass..

  1. Aufzug != Barrierefreiheit
  2. Jemand mit Einschränkungen beim Hören vielleicht auch gerne selbstständig und unabhängig einen Termin ausmachen möchte
  3. Barrierefreiheit im Kopf anfängt!

Also ein Fail auf voller Linie, aber wahrlich (leider) keine Ausnahme.

Für die unter euch, die jetzt mit E-Mail ankommen: Die Praxis hat auch schicke Formulare auf der Homepage. Ich würde sie allerdings niemals benutzen. Der Inhalt wird komplett(!) unverschlüsselt(!) übertragen! Wie und vor allem wo es gespeichert wird, möchte ich auch lieber nicht wissen. Der Landesdatenschützer bzw. die ganze Abteilung, hat da auch bereits ihren “Spaß” mit.
Kurz: E-Mail ist in diesem Bereich nach wie vor keine Alternative zu einem Fax, so verlockend es auch aussehen mag.

Ich hatte einen Freund gefragt ob er mich an diesem Tag begleitet. Ich hatte mit Schwierigkeiten bis zur Nichtbehandlung gerechnet. Ein Unterstützer und auch ein Zeuge kann in so einer Situation sicherlich nicht schaden.

Das erste Gespräch lief in etwa so ab:

Sie: Ich bräuchte dann noch ihre Versichertenkarte.
Ich: Ich habe keine.
Sie: Ohne Karte dürfen wir sie aber nicht behandeln.
Ich: Das ist nicht richtig. Es gibt nach wie vor das Ersatzverfahren. Sie dürfen. Fragen sie nach.
Sie: Nehmen sie doch noch Platz.

Sie schickte uns ins Wartezimmer.

Der passive Datenschutz ist dort so gut, dass ich während wir dort warteten teilweise hören konnte, was am Tresen vor sich ging.

In der Zeit in der wir dort saßen waren mindestens zwei ältere Menschen am Tresen, die beide ein Rezept benötigten und wohl beide keine eGK hatten. Beide wurden weg geschickt mit “Das geht nur mit eGK, sie müssen ihrer Krankenkasse ein Foto zuschicken”. Oder wahlweise nur ein sehr lautes “Das geht nicht”.
Die Lautstärke mag vielleicht im Alter der Personen begründet gewesen sein, der Tonfall aber ganz sicher nicht. Von dem was ich so mitbekommen habe, brauchte einer der Herren sehr dringend ein Rezept. welches ihm verwehrt wurde!

Leider eine schwierige Situation um jemandem zur Seite zu stehen. Ich fand es sehr beschämend, jemandem etwas zu verweigern, was ihm zusteht und er offensichtlich benötigt. Den Umgang mit diesem verzweifelten Menschen empfand ich als sehr unverschämt und von oben herab.
Das geht in meinen Augen einfach gar nicht.

Das Schlimme an der Sache ist: es wäre ein Anruf bei der jeweiligen Krankenversicherung nötig gewesen um diese Situation im Sinne der beiden Menschen zu klären.
Ganz offensichtlich waren die Mitarbeiter in der Praxis aber nicht gewillt genau das zu tun. Das hätten die beiden Betroffenen vielleicht auch selbst getan, aber vielleicht wussten sie nicht einmal von dieser Möglichkeit.

Zum “Nachteil” der Praxismitarbeiter wusste ich das aber und sie konnten sich zumindest bei mir nicht heraus reden. Vielleicht hätten sie meinen Termin auch spontan abgesagt, wie vielleicht bei einem der Herren. In meinem Fall hätte ihnen dann aber die Auslastung für ein Gerät für eine Nacht gefehlt. Es würde mich nicht wundern, wenn das einer der Gründe war, warum man nicht sofort versucht hatte mich weg zu schicken. Vielleicht siegten in diesem Fall auch letztlich schlicht das Geld?!

Man ließ mich also weiter im Wartezimmer schmoren.

Nach einer Weile wurde ich wieder nach vorne an den Tresen gerufen und das Gespräch ging in etwa wie folgt weiter:

Sie: Aber wir brauchen die Karte von ihnen
Ich: Nein sie brauchen keine Karte von mir, es reicht dieser Nachweis und den bekommen sie entweder dort (Krankenkasse), wenn sie nachfragen oder normalerweise fordere ich den vorher an.
Sie: Ja das schicken die mir jetzt zu.
Ich: Genau, und der wäre auch vorher bei ihnen angekommen. Der Grund warum der nicht angekommen ist liegt daran, dass ich von dieser Praxis keine Faxnummer finden konnte. Bei allen anderen Praxen war das kein Problem, dann wäre der sogar vorher dagewesen. Aber wenn ich keine Faxnummer habe..
Sie: Ich habe das jetzt angefordert, aber ich meine, sie können bei uns dann keine Rezepte anfordern, so lange wir nicht die Karte haben, die müssen wir einlesen.
Ich: Das geht auch mit dem Nachweis
Sie: Ne, das geht nicht weil seit dem 1.1. brauchen wir die neue Versichertenkarte mit dem Bild.
Ich: Nein, an dem Ersatzverfahren hat sich nichts geändert und mit dem Ersatzverfahren habe ich genauso im November und Dezember alles bekommen.
Sie: Genau aber seit dem 1.1.2015 brauchen wir die neue Versichertenkarte mit Bild…
Ich: Das macht keinen Unterschied zum Ersatzverfahren.
Sie: Aber unser Computer druckt..
Ich: Es hat keinen Einfluss auf alles andere.
Sie: Auf jeden Fall können wir bei ihnen keine Rezepte ausstellen, so lange wir keine Karte haben. Ich habe jetzt die Mitgliedsbescheinigung angefordert und die haben gesagt, sie sollen ein Passbild hinschicken und was sie dann machen ist ihre Sache…

Ich vermute ja das Problem ist ein ganz anderes: Derjenige der das Praxisprogramm-Update für den 1.1.2015 programmiert hat, hat diesen Fall nicht bedacht. Der Fall “Versicherter ohne eGK aber sehr wohl mit gültigem Versicherungsnachweis” kommt wohl einfach nicht vor.
Mit anderen Worten: Die Dame ist nicht in der Lage ein Rezept auszudrucken, weil es das Programm nicht zulässt und sie nicht auf die Idee kommt, das auf einem anderen Weg zu erledigen. Man könnte natürlich einfach einen Stift und Papier nehmen.. wie z.B. beim Hausbesuch schon viele Jahrzehnte so üblich.. – wenn man denn wollen würde.

Ich brauchte an diesem Tag dort noch kein Rezept, aber das wird in nicht allzu langer Zeit der Fall sein.

 

Nachtrag: Heute habe ich dort das Gerät wieder abgegeben.
Am Empfang saß eine andere Dame als gestern. Im ersten Moment schaute sie mit etwas angestrengter Mimik auf den Bildschirm und fragte mich nach der Bescheinigung. Nicht nach der Karte. Ich antwortete, dass ihre Kollegin gestern das eigentlich angefordert hatte. Das aber auch das, was ich selbst angefordert habe, per Post unterwegs ist, mangels Faxnummer. Meine Krankenkasse hatte laut einer E-Mail selbst noch versucht dort mehrmals anzurufen, kam aber nicht durch und hat deshalb die Bescheinigung per Post losgeschickt.
Damit war das Thema erledigt und ich bin das Gerät los geworden.

 

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4 Comments

Filed under eGK, Krankheitssystem

4 Responses to Erste Erfahrung ohne eGK in 2015

  1. Anonymous

    Ich habe alle Briefe, dass ich der Krankenkasse doch ein Bild schicken möge, hartnäckig ignoriert.

    Ergebnis: Irgendwann hatte ich einen weiteren Brief im Kasten. Er enthielt eine eGK ohne Bild.

  2. percidae

    Ich möchte auch keine eGK ohne Bild haben, denn die Grundproblematik bleibt die selbe.
    Damit gehen genauso alle Anwendungen, wie mit der eGK mit Bild und genau die will ich nicht haben. Diese Anwendungen sind noch freiwillig und noch nicht existent in den meisten Fällen. Ich hege allerdings Zweifel, dass es so bleibt.

    Falls es irgendwann mal – weil ich eben Medis usw. brauche – doch soweit kommt, dass ich eine eGK habe, dann würde ich auch das Bild verweigern, weil es einfach völliger BS ist.

    Medizinische Daten vieler Menschen auf einem Haufen zu haben, kann man machen, aber dann isses halt..

    Ich vermute den meisten dürfte klar sein, was für ein gefundenes Fressen solche Datenbestände z.B. für Versicherungen usw. sind.

  3. freiheit

    Wer keine e-card will wählt Kostenerstattung. Das ist ein seit 2007 geltendes Wahlrecht nach § 13Abs. 2 SGBV für alle Kassenpatienten.

    Wer zuviel Angst vor Selbstverantwortung hat bleibt bei der Karte und kämpft sogar darum. Was ist denn die Grundlage für den Anspruch auf Kassenleistungen im Erkrankungsfall? Der Umstand, daß Sie bei einer gesetzlichen Kasse “versichert” sind und entsprechend abkassiert werden, oder die Art des Versicherungsnachweises?

    Sind Ärzte und Patienten Feinde?
    Solange Politiker als Entscheider über die Versorgungsart im Bedarfsfall entscheiden, (was übrigens das Kennzeichen gesetzlicher Kassen ist) und der Bevölkerung glaubhaft vermitteln daß alles gut ist, scheinen Ärzte die Feinde der Patienten zu sein. Schließlich braucht man Vermittler zwischen Ärzten und Patienten ….. selbsternannte Vermittler versteht sich.

    Oder glaubt irgendjemand die “”Sozialwahl” bei den gesetzlichen Krankenkassen bestimmt kompetente Vertreter? Sind Sie krank oder Ihr Vertreter?
    Glaubt irgendjemand, daß die Wahl von Ärztefunktionären in die Kassenärztlichen Vereinigungen ein Garant für eine adäquate Therapie der Patienten ist?

    Die e-card ist ein perfektes Ablenkungsmanöver, das alle die bezahlen, die überhaupt eine “Versichertenkarte” wollen. Grundsätzlich ist das entmündigende System die wahre Ursache des derzeitigen Desasters. Da kommt die e-card gerade Recht um vom Systemfehler durch gegenseitige Schuldzuweisugen (Kennzeichen des Irr-Systems) abzulenken.

    Kostenerstattungswahl ist ein Risiko, weil die Politiker/Kassen dann keine Kontrolle über die Kosten, die Therapieart und und Geldverteilung haben. Daher ist es nicht wirklich gewollt. Sie werden Ihre Kasse kennen lernen, wenn sie eine Privatrechnung, die nur Kassenleistungen enthält, erstatten soll.

    Es geht nicht wirklich um die e-card. Es darum Menschen gegeneinander aufzuhetzen, die eigentlich Partner sind. Wer Ärzte als Feinde betrachtet, hat entweder den falschen Arzt gewählt oder kein Vertrauen in Ärzte.
    Kein Wunder, da Ärzte schon lange nicht mehr frei sondern Kassenknechte sind.
    Die Kostenerstattungswahl könnte beide befreien.

    Ärzten und Patienten fehlt der Mut. Schließlich geht`s um Geld …… oder um Selbstverantwortung? Es sieht so aus, als hätte der eigene Datenschutz einen hohen Preis.

    Ist Freiheit teuer? Wie kann man ihren Wert bemessen? In Mut?

    DAS und nur DAS ist die Grundproblematik.

  4. Karl

    ich lehne die eGk auch vollständig aus Datenschutz Gründen ab, es ist ein Unding das die Krankendaten in einer zentralen Internet-Cloud gespeichert werden sollen. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein bis die gesamten Akten der Bundesbürger offen im Netz liegen.

    Gestern “zickte” mein Doc rum, und die AOK behauptet nun “gesetzwidrig” das sie die Ersatzbescheinung nur einmalig austellen darf, ein weiter Arzt-Besuch wäre dann in diesem Jahr nicht möglich. 🙂

    Der Abteilungsleiter der AOK hat zum Glück Verständnis für meine Bedenken und vermerkt auf dem Schreiben das mich morgen erreichen soll diesen “einmaligen” Zusatz, so das es mir im vorhinein schon möglich ist rechtlichen Rat bei meinem Anwalt einzuholen und die AOK wieder in ihre Schranken zu weisen.

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